„Die Synthese einer angenehmen Atmosphäre und eines inspirierenden Umfelds“ – Architekt Norbert Frede erklärt die neuen Modelyzr-Büros

Wir bekommen neue Büros! Die Modelyzr GmbH wächst und so steigt auch der Bedarf an optimal ausgerüsteten Arbeitsplätzen. Deshalb haben wir eine weitere Etage angemietet, die aktuell renoviert und modernisiert wird. Der Münsteraner Architekt Norbert Frede ist dabei für die Planung und Umsetzung verantwortlich. Zwischendurch hat er sich Zeit für uns genommen, um im Fünf-Fragen-Interview das Konzept des Projekts zu erläutern.

Frage: Herr Frede, Sie begleiten die Gestaltung der neuen Modelyzr-Büros architektonisch. Studien belegen eine höhere Zufriedenheit von Beschäftigten, die in gut designten Büros arbeiten, was sich positiv auf die Leistungsfähigkeit auswirkt. Welche Kriterien muss ein solches Büro aus Ihrer Sicht erfüllen?

Norbert Frede: Vollgestopfte Großraumbüros oder die typische Behörde mit einem Standardboden, einer grauen Tür, diesem Kalender und vielleicht einem Puzzle irgendwo an der Wand sowie Gummibäumen in den Fenstern: Ich glaube, wir alle kennen diese altmodischen Büroräume. Modernen Arbeitsplatzkonzepten entsprechen diese natürlich nicht.

Büro, das heißt heute: Ein Ort, der daran angepasst ist, wie dort gearbeitet wird und an dem man sich gleichzeitig wohlfühlt.

Es braucht die Synthese einer angenehmen Atmosphäre und eines inspirierenden Umfelds. Konzentriertes Arbeiten muss ebenso möglich sein, wie inspirierte Teamarbeit. Zudem ist es wichtig, einen Austausch zu fördern, der über die eigentliche Arbeit hinausgeht. In einem nackten, kalten Büroraum ist das nicht umsetzbar.

Mit einer geschickten Raumaufteilung und der richtigen Positionierung beispielsweise der Kaffeemaschine ist wiederum viel möglich. Schafft man es, so eine mitarbeiterfreundliche Atmosphäre herzustellen, dann kann das zur Verbesserung der Arbeitsqualität beitragen.

Frage: Die neuen, von Ihnen gestalteten, Räumlichkeiten der Modelyzr GmbH folgen einem mitarbeiterzentrierten Arbeitsplatzkonzept – was beinhaltet es und wie wird dies konkret umgesetzt?

Norbert Frede: Bei Modelyzr verfolgen wir das Ziel, jedem Mitarbeiter zu ermöglichen, sich zu entfalten und sein volles Potenzial auszuschöpfen. Wir sorgen für eine angenehme und offene Atmosphäre und stellen Bereiche für die Zusammenarbeit und Rückzugsorte bereit. Die Art und Weise, wie wir mit dem vorgefundenen Raum umgehen sowie die Materialien und wie sie eingesetzt werden, das weicht vom Standard-Ansatz zur Renovierung einer Bürofläche deutlich ab.

Das ursprüngliche Büro besaß eine klassische Zellenstruktur, also einen Flur mit vielen Türen hinter denen sich Räume mit einer oder mehreren Personen verbergen. Hier waren die Beschäftigten also recht isoliert voneinander.

Das lösen wir auf, indem wir einzelne Räume zusammenschalten und die Wände verglasen. Jemand, der durch den Flur geht oder in einem der offenen Bereiche sitzt, hat den Blick nach links und rechts und kann so praktisch durch das ganze Büro schauen.

Ich kann mir vorstellen, dass mancher Mitarbeiter vom Aussehen und der Wirkung sogar ein wenig überrascht sein wird – und ich hoffe natürlich positiv. (lachend)

Frage: Wir sind zuversichtlich, dass das so kommt und schon sehr gespannt auf das Ergebnis. Wie wird sich das Arbeiten im neuen Modelyzr-Büro anfühlen?

Norbert Frede: Die Beschäftigten sollen so frei wie möglich arbeiten können. Es wird für jeden einen Arbeitsplatz geben, doch ist es natürlich eine Frage der Büro-Philosophie, ob es fest zugewiesene Plätze gibt oder nicht.

Die Räume können vollkommen flexibel genutzt werden. Die Modelyzr-Mitarbeiter werden sich also gruppenweise zusammenfinden, oder bei Bedarf in Einzelsituationen reingehen können. Es wird mehrere Räume geben, in denen man konzentriert Videokonferenzen durchführen kann ohne, dass dabei das ganze Büro unterhalten wird. Diese Räume sind mit entsprechenden Bildschirmen ausgestattet und besitzen eine optimale Akustik, um sich voll und ganz auf das Gespräch fokussieren zu können. Natürlich können sie auch für analoge Meetings, zum Beispiel des Entwickler-Teams, genutzt werden. Und nach ein, zwei Stunden intensiven Austauschs kann wieder ins größere Büro oder natürlich auch an einen anderen Arbeitsplatz gewechselt werden.

Frage: Und welche Materialien unterstützen den offenen Ansatz, der durch den neuen Zuschnitt verfolgt wird?

Norbert Frede: Um die gewünschte Transparenz zu schaffen, kommt natürlich viel Glas zum Einsatz. Konstruktiv werden die Glaswände von Holzrahmen gehalten, das Holz ist also sichtbar und als solches auch erkennbar. Hierbei haben wir auch auf die Langlebigkeit des Materials geachtet, was die Behandlung des Holzes angeht aber auch die Art, wie es verbaut wird.

So entsteht eine wohnliche Atmosphäre, etwas, das man von Büroräumen vielleicht eher nicht direkt erwartet. Ein wenig ist das ja auch „gegen den Strich“, dass gerade ein technologiegetriebenes Unternehmen wie die Modelyzr GmbH, eben weggeht von Materialien wie Stahl, Alu oder sonstigen Kunstmaterialien und stattdessen einen sehr atmosphärischen Ansatz verfolgt und zum Beispiel auch den Aspekt einer angenehmen Haptik berücksichtigt.

Frage: Danke für die Einblicke in dieses Projekt. Zum Abschluss: Worauf legen Sie grundsätzlich Wert, wie sollte Architektur aus Ihrer Sicht gestaltet sein?

Norbert Frede: Architektur umgibt Menschen im alltäglichen Leben jederzeit und sollte deshalb zum Ziel haben, eine verbesserte Grundsituation zu schaffen.

Gemeinsam mit dem Bauherrn entwickeln wir optimale und qualitativ hochwertige Lösungen, die wirklich standhalten. Es geht also nicht um einen möglichst spektakulären Effekt oder um die reine Zweckerfüllung. Darüber hinaus möchten wir einen Mehrwert hinsichtlich der Materialität und des Wohlfühlens erzielen. Etwas, was man vielleicht gar nicht so direkt fassen kann, was aber dazu führt, dass man sich in einem Raum wohlfühlt. Dazu gehört die Raumgestaltung selbst, aber auch Dinge wie Licht oder Akustik.

Und auf dieser Ebene möchten wir für genau die gewünschte Situation den richtigen Raum finden, der dem Bauherrn am Ende wirklich dient.

Published on 19.10.2021